An Orten ohne Kanalisation sind Komposttoiletten eine kostengünstige und schnell installierte Option zur Entsorgung der Fäkalien. Die Fäkalien werden hier trocken gesammelt, ggf. unter Zufuhr von pflanzlichem Streumaterial. Anschließend werden sie kompostiert und letztendlich im Garten als wertvoller Dünger ausgebracht. Unterschiedliche Techniken, wie getrennte Sammlung von Urin und Feststoffen, Entlüftung, Rührwerk oder Verbrennungskammer ermöglichen letztendlich den von einem Wasserklosett gewohnten Komfort.
Der Vorteil einer Komposttoilette zeigt sich auf verschiedenen Ebenen. Das offensichtlichste ist die Einsparung von Trinkwasser zur Toilettenspülung. Immerhin geht auf dieses Konto etwa ein Drittel des Wasserverbrauchs im Haushalt.
Mit der Einsparung von Trinkwasser geht auch die Einsparung von Abwasser einher. Das ist besonders interessant, wenn das Abwasser in einer Sammelgrube gesammelt und teuer abgefahren werden muss.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist, dass das sonstige Abwasser, sogenanntes Grauwasser, dann wesentlich weniger verschmutzt ist, als Abwasser, welches auch Toilettenspülwasser enthält. Grauwasser kann durch kleinere Leitungsquerschnitte transportiert werden und lässt sich leichter aufbereiten.

Der vierte und sehr wesentliche Punkt ist, dass in den Fäkalien wertvolle Nährstoffe, besonders Stickstoff und Phosphor enthalten sind. Diese werden auf Ackerflächen dringend als Pflanzendünger benötigt. Landen sie jedoch über das Abwasser in den natürlichen Gewässern, dann bewirken sie dort ein übermäßiges Algenwachstum und zerstören die Gewässer. Auch wenn sie vorher im Klärwerk herausgefiltert werden, vermischen sie sich im Klärschlamm mit Schwermetallen und anderen Schadstoffen, z.B. aus industriellen Abwässern oder Straßenablaufwasser. Daraus können sie nur schwer zurückgewonnen werden.
Die Komposttoilette hat also viele Vorzüge. Trinkwasser wird eingespart, die Fäkalien können ohne weitere Verunreinigungen zu Pflanzendünger umgesetzt werden und das restliche Abwasser aus dem Haushalt ist deutlich weniger verschmutzt und leichter aufzubereiten.
In Städten und Siedlungen ist unsere Infrastruktur aktuell auf das System Wasserspülung abgestimmt. Eine Komposttoilette für die Berliner Mietwohnung wird nur in seltenen Fällen sinnvoll sein. An Orten mit schlecht ausgebauter Wasserversorgung und ohne Kanalisation ist sie aber mehr als eine Notlösung und sollte immer in Erwägung gezogen werden. Das betrifft Kleingärten, Wochenendgrundstücke, Einfamilienhäuser, Wohnmobile, Hausboote, Baustelleneinrichtungen, Campingplätze, Festivalgelände, Parkanlagen, Friedhöfe und Waldkindergärten.
Zur Zeit wird bei Pumptrack Bremen e.V. eine Kabinenkomposttoilette aufgestellt und in Betrieb genommen. Das ist ein Projekt der Stadt Bremen, die erwägt weitere Komposttoiletten im öffentlichen Raum aufzustellen. Wer also gerade in der Gegend ist, kann sich die Sache demnächst selbst mal ansehen.

Artwork by Thomas Neveling | Untitled, 2026 | Bleistift auf Karton, 20,5 x 14 cm





